Archiv für die Kategorie ‘Lyrik025’

025-008 Die Maus geht aus

2009-11-24

 

Das Mäuse-Dasein ist zwar schön
denkt sich der Mäuse-Mann
Doch – wie wär’s erst mit einer Frau,
die man gut leiden kann?

Und eines Abends um halb zehn
die Stadt lag schon im Schlaf
Da fällt ihm ein, ‘mal auszugeh’n
ganz toll und nicht zu brav! –

Er putzt sich rasch das weiche Fell
und trinkt noch einen Korn.
Die Armbanduhr aus Elfenbein
trägt er am Arm ganz vorn.

Entstaubt die Ohren mit dem Tuch
damit sie glänzen fein.
Und nimmt den rosa Seidenrock
aus dem geschnitzten Schrein.

Er kämmt auch noch das Barthaar durch
schaut in den Spiegel ‘rein.
Und freut sich einfach königlich
im Bad allein zu sein.

Er sprüht sich noch ‘nen Duft ins Fell
er muß vom Besten sein.
Geht pfeifend dann im Haus herum
er ist heut’ ganz allein.

Dann wirft er sich den Seidenrock
um Schulter und den Bauch.
Die Zigarette – schräg im Mund
verbreitet dicken Rauch.

Rasch geht er dann ans Telefon
ruft sich ein Taxi her.
Denn -  w e n n  er schon ‘mal ausgehn’n kann
dann ist er schließlich wer!

Das Taxi wartet startbereit
schon bald vor seinem Haus.
Am Steuer sitzt ein Katzen-Mann
und  k e i n e  graue Maus! –

Ganz bleich vor Schreck schleicht unser Freund
er nennt sich kurz Karl-Heinz
Ins Haus vor lauter Angst zurück
und will nicht weg, so scheint’s!

Da öffnet Kater Dagobert
den Schlag vom Taxi schnell.
Und klingelt an der Mäusetür
im Flur wird es ganz hell.

Karl-Heinz, der flotte Mäuse-Mann
sieht noch durch den Spion.
"Komm’ her!" ruft Kater Dagobert,
"Dein Taxi wartet schon!"

Da öffnet unser Mäuserich
die Tür ‘nen kleinen Spalt.
Herein dringt feuchte Abendluft
denn draußen ist es kalt.

Er holt nur noch sein Portemonnaie
geflochten schön aus Bast.
Und nimmt den breiten Krempen-Hut
mit einem dicken Quast.

Er geht mit Kater Dagobert
den Weg zum Auto schnell.
Die Sternlein und der gold’ne Mond
leuchten den beiden hell.

Karl-Heinz läßt sich ins Polster fallen
er schaut zufrieden aus.
Und Dagobert, der Taxen-Mann,
fährt ihn zu einem "Haus".

Er hält vor einem Gartentor –
rot leuchtet die Laterne.
Der Taxifahrer weiß genau,
die Mäuse sind dort gerne! –

Karl-Heinz erbittet für sein Geld
‘ne Körper-Ganzmassage.
Und hinterher, so weiß er schon,
kommt’s auch nicht zur Blamage! –

Vertraut sich doch der Lilo an,
der mit dem schönsten Busen.
In ihrem liebevollen Arm
läßt es sich so gut schmusen. –

Sie ölt den starken Körper ein
mit Öl vom Mandelbaum.
Und Mäuserich Karl-Heinz, der Schatz
spürt ihre Kniffe kaum.

Er ruht da auf dem Canapé
die viere hochgereckt
Und schnurrt wie Nachbar’s Katze laut
das Schwänzchen ausgestreckt!

Sie ölt und ölt und walkt ihn durch
er liegt jetzt auf dem Bauch.
S o  ist es nur bei Lilo-Maus
die Sitte und Gebrauch! –

Dann duscht er sich und kämmt sein Fell
springt in den Swimming-Pool
Verhält sich mäuse-mann-gerecht
ist ernst und dann ganz "cool".

Schon eilt mit Obst und Käse
und einer Flasche Sekt
die Lilo zum Karl-Heinz,
der sich genüßlich reckt!

Se kniet nun vor ihm nieder
küßt ihm das feuchte Fell.
Und sagt: "Komm’ bald ‘mal wieder.
Die Zeit vergeht so schnell!"

Er schnäuzt erstmal das Näschen
und spricht von Liebesleid.
Und würde gern sie führen
im weißen Hochzeitskleid.

Er ist schon recht erwachsen
ein Mäuse-Kind nicht mehr.
Und will sich seinen Eltern
von nun stellen quer! –

Die Nacht schaut durch das Fenster
er löst sich aus dem Arm.
Der Lilo wurd’ bei dem Gespräch
vor lauter Glück ganz warm. –

Sie mag ihn ja so gerne
zwei Jahre ist’s schon her.
Und wartet nur auf ihn
und keinen andern mehr! –

Karl-Heinz geht nun nach Hause
das Taxi steht bereit.
Er glaubt, zur Mäuse-Hochzeit
ist’s garnicht mehr so weit.

Die Lilo geht ans Fenster
und hebt die kleine Hand
Karl-Heinz schaut voller Liebe
und winkt zum Schluß galant!

025-007 Das KOHLBLATT-Grillfest

2009-11-10

 

Zur Kohlblatt-Party trifft man sich
am grünen Waldesrand.
Die Hasen-Paare gehen brav
und aufrecht Hand in Hand.

Die ält’ren Männer gehen vor
die Damen hinterdrein.
Die Kinder artig und adrett
exakt in Zweier-Reih’n.

Von fern schon strömt der Duft vom Kohl
den Schmausern in die Nas’.
Denn wer verschmäht schon frischen Kohl
ist ganz gewiß kein Has’!

Sehr eilig laufen sie zum Ziel
der Schritt wird gar rasant.
Die Herren zieh’n die Damen fort
und dies nicht grad’ galant! –

Sie halten ihre Hüte fest
und raffen noch das Kleid.
Zum abgemachten Ort des Fests
ist es nun nicht mehr weit.

Hei! schwupp-di-wupp! gewagt der Sprung
gleich über diesen Zaun!
Seht her! Karline Honigtau –
die kesseste der Frau’n!!!

Und hurtig setzt zum Sprung an Trine
den nächsten Schritt scheut Hasemiene.
Man hebt am Po ein bißchen an
ganz klar – das macht der eig’ne Mann!

Die jungen Burschen und die Mädel
zeigen hier schon eig’nen Schädel:
Der Rock fliegt hoch bei jedem Satz
und macht so manchem Einblick Platz.

Sehr streng schaut darob Vater Hase
ganz starr wird nun sein Blick.
Mein liebes Kind, der weite rock
ist eigentlich sehr schick!

Doch dringen freche Buben-blicke
hier ein in die intime Mitte!
Drum: raff’ den Rock – es muß so sein
bei jedem heiklen Schritte!

Doch bald ist jeder Sprung getan
man ist dem Ziel ganz nah.
Da sieht man schon das Kohlblatt-Feld
es duftet wunderbar. –

Die Bänkchen steh’n in Reih’ und Glied
zum Sitzen schon bereit.
Und Tellerchen – aus Holz geschnitzt –
zur Kohlblatt-Knabberzeit.

Man setzt sich nieder, wie’s beliebt
ein jeder wo er will.
Und schielt schon aufgeregt – na klar!
zum großen Kohlblatt-Grill!

Drei Hasenmädchen und drei Buben
adrett in Kellner-Kluft
servieren hurtig und charmant
den Kohl mit bestem Duft.

Nur eine ältere Hasenfrau
die dralle Clementine
Hält Aufsicht über alles Tun
mit äußerst strenger Miene.

Sie füllt die Teller flugs am Grill
mit heißer Kohlblatt-Zange.
Die Kleinen mögen dies noch nicht
die Hitze macht sie bange.

Sie fügen noch die Sauce zu
und laufen durch die Reihen.
Derjenige, der noch nichts hat,
der meldet sich durch Schreien.

Da kneift ganz plötzlichschnell und frech
der Fritz die Wilhelmine.
Sie schreit sehr laut und aufgebracht,
als sei’s ein Stich der Biene! –

Er zwickt sie in den Schenkel ‘rein
und zieht auch noch am Rock.
Jedwede wohlerzogene Maid
zerbricht bei jenem Schock!!!

Wo Sitte und Moral noch hat
den rechten Stellenwert
Ist jener Akt vom Mann beim Weib
nun ganz und gar verkehrt!

Sehr bös’ schaut Papa Kunibert
entsetzt schnieft Mutter Liese.
Wo man bedacht auf Sittsamkeit
versinkt man in der Krise.-

Sie schauen steif und starr sich an
der Sohn will sich nicht fügen!
Doch scheut man sich, ihn hier sofort
nach Hasen-Art zu rügen!

So wirft man einen scheuen Blick
noch rasch zur Wilhelmine.
Doch – diese lächelt vor sich hin
mit sinnlich-sel’ger Miene.

Hat zwar der ungeduldig’ Fritz
gezwickt das gute Kind
So sieht sie doch auf diesem Weg
wie man ihn an sich bind’! –

Da geht ein Glöckchen – bimmel-bam
beim Grillfest durch die Reihen.
Ans Glas klopft Vater Ottokar
man möge ihm verzeihen.

Die Stimme stockt – der Hals wird eng
doch seine Frau Elise
wünscht augenblicklich klare Front
bei der Familien-Krise!

Auch sie war’n Opfer jener Macht,
die man wohl Triebe nennt.
doch wissen sie seit Jahr und Tag,
wie wahre Liebe brennt!

So schauen sie dem Töchterlein
nun aufs Gesicht und Herz.
Und sehen sie in Nöten
vor lauter Liebesschmerz.

So kommt zu später Stunde
es zur Verlobung noch.
Für Fritz und Wilhelmine
die immer so gut roch!

Er windet ihr ein ringelein
aus gold’nem Hanf aus Dank
Und beide sitzen selig
auf der Verlobungsbank.

Von nun an heißt es: S p a r e n
ein Hasenbau muß her!
Und nicht zu klein, mein Schatz,
das rat’ als Freund ich dir!

So sieht der Mensch, durch Kneifen
in manchen runden Po
wird man als junges hasen-Paar
am Ende doch ganz froh!

Wie wär’s, wenn auch Ihr Menschen
dem Kneif-Drang gebet nach?
Es macht manch’ strenge Dame
rasch und  n a c h h a l t i g  wach!

So geht die Kohlblatt-Party
dem guten Ende zu.
Die Paare geh’n nach Hause
und legen sich zur Ruh’!

Der Grill ist längst erloschen
die Flaschen fast geleert.
Was wär’ mit Wilhelmine
hätt’ sie sich noch geziert?

Und auch die Elternpaare
Elies’ und Ottokar
Der Kunibert und Liese
sie finden’s wunderbar!

Der Fritz und Wilhelmine
sie geh’n zwar mit Verdruß
ein jeder in den eig’nen Bau
nach einem  l a n g e n  Kuß! –

Was wollt Ihr nun noch hören
Ihr Menschen hier und dort?
Für Euch ist die Geschichte aus
geht einfach jetzt nur fort!

So kümmert Euch ganz rasch einmal
um Euren eig’nen Kram.
Bei Hasen-Leuten kennt man nichts
von Kummer und von Scham. –

Man lebt, wenn’s einmal funkte,
beglückt ein Leben lang.
Und tut dem lieben Herrgott
tagtäglich dafür Dank!

Und in ‘ner schweren Krise
wenn garnichts klappen will,
Dann sitzt man bei der Häsin
und hält ihr Händchen still.

Man macht zwar auch ‘mal Augen
der schönen Nachbarin
Doch – hier zählt nur die Liebste
und geht nicht aus dem Sinn!

Von diesem reizend’ Völkchen
guckt Euch nur etwas ab!
Laßt Eure Ohren wachsen
ganz puschlig-lang und schlapp! –

Denn – wer von Euch – den Menschen
die Häschen lieben kann
Der liebt doch auch die Menschen
ob Frau nun oder Mann!

Die Hasen sind sehr weich,
sehr liebevoll und zart.
Manch’ Hasen-Mann sehr männlich –
mit einem dicken Bart.

Und ist der Mensch ‘mal traurig
gar krank und depremiert,
Dann ist es nur ein "Hase",
der dieses Leid kapiert…

Er ist dann in der Lage
zu lindern Seelenschmerz.
Und legt die warme Pfote
auf Brust und auch ans Herz.

So nützt dem  k ü h l e n  Menschen
das "Hasen-Sein" doch sehr.
Drum bitt’ ich Euch: schützt dieses Volk,
als ob es Menschlein wär’n!

025-006 Glückwünsche zur Geburt eines Käfer-Kindes

2009-10-22

 

Ganz zaghaft reicht die Käferfrau
hier ihrem Mann die Hand.
Bestärkt damit – man sieht’s genau –
das treue Partner-Band.

Sie sieht ihn ja so zärtlich an
auch er schaut ganz verzückt.
Es scheint, als wär’ hier ‘mal ein Paar
vor Liebe gar entrückt! –

Da liegt das kleine Käferkind
in seinem Käferbett.
Die Eltern sitzen froh dabei,
denn nun ist man "komplett".

Die Zukunft sieht so rosig aus
Ihr habt jetzt Haus und Kind.
Doch – gebt nur acht! Manch’ Käferchen
wächst einfach zu geschwind!

Macht schön es ihm und habt es lieb
bei Tage wie bei Nacht.
Ihr wißt noch nicht, was es Euch gibt,
wenn es zuerst lacht!

Und ist die Kindheit irgendwann
dann doch einmal vorbei
Dann wird es euch bedeuten,
daß es nun flügge sei! –

Seid dann nicht traurig,
laßt es nur geh’n.
Man wird auf andrer Basis
sich bald schon wiederseh’n.

Bei Käfern ist das leicht gesagt
und doch unendlich schwer. –
Bei uns als Menschen-Eltern
jedoch noch viel, viel mehr! –

Denn leider ist’s im Menschenland
nicht alles ganz so leicht,
Auch, wenn ein liebend’ Elternpaar
dem Kind die Hände reicht.

Nun wünsche ich zu guter Letzt
Euch DREIEN alles Glück –
Kommt bald nach Eurem Freuden-Rausch
auf diese Welt zurück! -

025-005 Das Kaffeekränzchen

2009-10-04

 

Zum Kaffeekränzchen trifft man sich
    heut’ bei Frau Sonnenschein
Als Oberhaupt des Katzen-Clans
    lädt sie zum Plaudern ein.

Sie macht sich schön und wählt für heut’
    das Kleid aus blauer Seide
Denn Katzen-Gatte Gustav meint,
    daß dies sie so gut kleide.

Rasch windet sie ein Schleifchen noch
    aus blauem Taft ins Haar
Und Kater Gustav nascht noch schnell
    und heimlich vom Tartar.

Dann zieht auch er sich sehr fein an
    das Wams aus rotem Leder
Und nimmt von der Garderobe sich
    den Hut mit großer Feder.

So feingemacht und gutgelaunt
    läuft er zum Stammlokal
Denn dort ist heut’ bei Bier und Wein
    geheime Katzen-Wahl.

Sehr wicht’ge Männer finden sich
    bei diesem Kater-Kränzchen
Bevor sie schließlich setzen sich
    richten sie Schlips und Schwänzchen.

Sie holen ihre Pfeifchen vor
    und schmauchen eine Runde.
Die Wahl des Katzen-Oberrats
    ist nun in aller Munde.

Auch Kater TOBY sieht man hier –
    er ist der jüngste Recke.
verfolgt das bunte Treiben doch
    auf seiner Schmusedecke.

Nur eine Frau ist heut’ dabei
    die Sekretärin Line
Sie ist sehr flink und wortgewandt
    auf ihrer Schreibmaschine.

Führt auf der Sitzung Protokoll
    für alles, was gesagt.
Und ist Respektsperson im Dorf
    wenn auch schon recht betagt.

Bis obenhin knöpft sie sich zu
    das steife Seidenkleid.
Zum Flirt mit einem Katzen-Mann
    war sie noch nie bereit!

Derweil im Hause Sonnenschein
    vergnügt man sich famos.
Bei Sahnetorte und Likör
    ist ordentlich ‘was los.

Die Damen tragen Hüte
    mit buntem Band garniert
Und duftig’ Sommerkleider
    zum Teil ganz keß drapiert!

Die Kleinen sitzen artig
    am Tisch bei der Mama
Sie schauen in die Runde
    und finden’s wunderbar…

Doch plötzlich bringt ein Poltern
    die Runde aus dem Trott.
Herein stürzt Kater Gustav
    der Anblick ist nicht flott!

Das rote Wams zerrissen
    die Feder hinterm Ohr
Umarmt die Frau des Hauses
    ihr Lächeln jedoch fror. –

Ihr Gatte, der Gestrenge
    sonst König der Moral
War offensichtlich Sieger
    bei jener Katzen-Wahl.

Sie schickt erstmal die Kinder
    zum Spielen rasch hinaus.
Und bringt dem lieben Manne
    schnell einen "Kater-Schmaus".

Sobald er in der Lage
    gibt er ganz stolz bekannt
Daß er tatsächlich Sieger ist
    im weiten Katzen-Land.

Zwei lange Katzen-Jahre
    führt er die Aufsicht nun
und kümmert sich um alle
    ob sie nichts Böses tun.

Ganz stolz ist seine Gattin
    die Schönste weit und breit.
Sagt plötzlich zu den Damen:
    Für Euch wird es nun Zeit!

Ihr müßt nun leider gehen
    der Tag mit Euch war schön.
Nehmt eilig Eure Kinder
    Tschüß – und auf Wiederseh’n!

Möcht’ widmen mich dem Gatten
    den eig’nen Kinderlein
und sitzen auf der Bank
    im warmen Sonnenschein.

So geht im Katzenleben
    der Tag dem Ende zu.
Die Kinder gähnen müde
    die Eltern geh’n zur Ruh’!

025-004 Die Erziehung eines Hasenkindes

2009-09-16

Ganz atemlos sitzt Hasen-Franz
    geduckt im Nest aus Gras.
Lief aus der Schule ganz geschwind
    das Ränzlein wurd’ schon naß.

Der warme Frühlingsregen
fällt leis’ aufs Dach von Laub.
Der würzig’ Duft der Gräser
    macht Häschens Sinne taub.

Es atmet tief und selig
die Luft des Frühlings ein.
Und wird ganz plötzlich traurig
    grad’ hier allein zu sein

Man ist ja schließlich Hase
    und schon ein ganzer Mann.
Kennt doch auch von der Häsin
    das ganze Drum und Dran.

Das letzte Hasen-Volksfest
    hat viel für ihn gebracht.
Er hat getanzt, getrunken
    geküßt die halbe Nacht.

Doch hier – im feuchten Grase
    allein mit der Natur
Da denkt der Has’ ganz plötzlich
    ans Hasen-Abitur.

Er muß noch Perlen fädeln
    aus Glas auf Schnüre fein.
Und Eier bunt bemalen
    fürs kleine Schwesterlein.

Den Oster-Vers noch lernen
    ganz artig aus dem Kopf.
Der Hasen-Schuldirektor
    zieht sonst an Ohr und Schopf!

Er muß auch für die Schule
    noch schreiben groß und klein.
Und noch Figuren turnen
    fürs Sportfest vom Verein.

Er kommt aus bess’ren Kreisen
    das sieht ein jeder hier.
Und ist der beste Junghas’
    hier draußen im Revier. –

Kramt eifrig nun im Ränzel
    nach Stiften und Papier.
Und schreibt auf blauem Bogen
    ein Liebesbrieflein ihr.

Er schreibt der leck’ren Sophie
    von mancher Sinneslust
Und räkelt sich im Grase
    als wär’s der Liebsten Brust.

Er spricht da von Gefühlen
    vom Has’ zur Hasenfrau
Und würde gern sie führen
    hinaus zur grünen Au. –

Doch gelten strenge Regeln
    hier drauß’ im Hasen-Land
Erst recht für freche Lümmel
    mit ihrer schnellen Hand!

So spricht der Hasenvater
    gar streng zu seinem Sohn:
"Mein lieber Franz, die Sophie
    wirst du doch wohl verschon’!"

Da neigt der Franz, der Hase,
    errötend nun sein Haupt
Und sagt zu seinem Vater:
    "Was ihr nun immer glaubt!"

Die Mutter steht daneben
    und ist gar sehr beleibt.
Und denkt für sich im Geiste,
    was ihr Herr Sohn wohl treibt!?

Sie selbst ist nämlich schwanger
    vom Hasen-Papa grad’.
Das fünfte Mal – wie schrecklich! –
    blieb ihr doch nicht erspart!

So nimmt sie sich das Fränzchen
    mal eines Tages vor,
Das Fernseh’n zeigt grad Fußball
    der Vater schreit laut: TOR!!!

In dieser ruhigen Stunde
    gibt sie ihm das Gefühl
Daß wahre Liebe mehr ist
    als einfach nur Gewühl.

Man muß sich  r i c h t i g  mögen
    mit allem Drum und Dran
Mit dieser Lebens-Kunde
    kam sie gut bei ihm an.

Von nun an legt er zärtlich
    den Arm ums Sophilein.
Und legt mit ihr ein Nest an
    weit draußen hinterm Hain.

Er nimmt nun Zeit und Muße
    zum Kennenlernen sich.
Und läßt in schlechten Zeiten
    die Liebste nicht im Stich! –

Von beiden Hasen-Eltern
    ist Mutter Diplomat.
Der Vater ist viel strenger
    und urteilt oft so hart.

Man sieht – im Hasenleben
    Ist’s auch nicht immer leicht,
Wenn Hasen wie die Menschen
    die große Angst beschleicht…

Adele
adeles.lyrik214129.1.092109@lr78.com